Die innere Situation (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - von April 2016)

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April 2016

(Dieser Text wurde vom Lutte Ouvrière-Parteitag von März 2016 angenommen)
Terroristische Attentate, steigender Einfluss der Front National, Rückzug in die nationale und religiöse Identität, Ablehnung der Migranten: 2015 hat sich die reaktionäre Entwicklung der Gesellschaft und des politischen Lebens beschleunigt. Diese Entwicklung basiert letztlich auf der Krise des Kapitalismus. Ein Beweis für die Absurdität des Kapitalismus und für die Unfähigkeit der Bourgeoisie die Wirtschaft zu lenken, ist die Tatsache, dass die Krise die Stellung der Kapitalistenklasse gestärkt hat, indem sie die Fähigkeit der Arbeiter zurückzuschlagen geschwächt hat.

Seit Jahrzehnten schon zerschlägt die Bourgeoisie die gesetzlichen Grundlagen, die von den Arbeitern als gesichert angesehen worden waren. Der Begriff "Uberisierung der Wirtschaft" ist zwar neu, aber nicht das Phänomen, das auf die Ausgliederungen und die Vermehrung der Zulieferbetriebe zurückgeht und sowohl die Fabriken, als auch die Arbeiterklasse zerstückelt hat. Die Fabrikbesitzer stellen neue Arbeiter fast nur noch mit ungesicherten Arbeitsverträgen ein und die Situation der Lohnarbeiter wird mehr und mehr nicht durch das Arbeits- sondern durch das Wirtschaftsrecht geregelt.

Die sich abwechselnden Regierungen ändern die Gesetze, um die Offensive der Besitzenden zu erleichtern. Aber die Kapitalisten entledigen sich auch ohne Gesetzesänderung der Zwänge von Arbeitsvertrag, Arbeitsrecht und Sozialschutz. Die Macht über die Unternehmen und über die Arbeiter erhalten sie durch den Besitz des Kapitals. Sich darauf beschränken, die Regierungspolitik zu kritisieren, ohne die in der gegenwärtigen Periode notwendig brutale Offensive des Großkapitals anzuprangern, bedeutet die Interessen der Arbeiter zu verraten.

Die Verschlechterung des Kräfteverhältnisses, die Zerstückelung der Arbeiterklasse, der Ausschluss und die Isolierung eines immer größeren Teils der arbeitenden Bevölkerung haben die Verschlimmerung des Individualismus und der Konkurrenz zur Folge. Dies führt zu steigendem Einfluss reaktionärer Ideen. So entsteht ein Mechanismus, in dem der Rückzug ins Private und der Kommunitarismus die Reaktion auf den Ausschluss ist und wiederum Rassismus und Ausgrenzung nährt.

Die Orientierungslosigkeit wird dadurch noch verschärft, dass eine Arbeiterbewegung so gut wie verschwunden ist, die Ideale sowie die Perspektive der Emanzipation aller Unterdrückten aufzeigen hätte können. Die revolutionären Strömungen hatten zu jeder Zeit im inneren der Arbeiterklasse Kämpfe gegen die reformistischen Strömungen führen müssen. Der Stalinismus hat nicht nur dem Reformismus zu einer neuen Jugend verholfen, er hat auch durch Gewalt die Kontinuität der kommunistischen Strömung zerstört.

Der Stalinismus hat das mit dem Kommunismus verbundene Ideal und die revolutionären Ideen pervertiert. Er hat Verwirrung gestiftet, indem er eine Verbindung zwischen Nationalismus und Klassenkampf hergestellt hat, indem er dem Wort Revolution jeden konkreten Sinn geraubt hat und indem er die Ziele der Bourgeoisie übernommen hat. So wurden die Arbeiter nach dem Zweiten Weltkrieg aufgefordert, die Ärmel hochzukrempeln und ein "starkes Frankreich" zu bauen. Heute, zu einer Zeit, in der die kapitalistische Wirtschaft in der Krise steckt und alle ernsthaften, dauerhaften Sozialreformen unmöglich macht, sind die Arbeiter vollkommen unbewaffnet.

Der letzte Ausdruck dieser reaktionären Welle ist die morbide Anziehung von IS auf einen Teil der Jugend. Wenn die individuellen Mechanismen, die zu einer derartigen Gehirnwäsche führen auch verschieden sind, so liegt die Verbindung mit der Schwächung des aktivistischen Netzwerks und dem Zurückweichen der revolutionären Ideen auf der Hand. Denn es gab Zeiten, in denen der Teil dieser Jugend Tausende von Kilometer zurücklegte, Ozeane und Kontinente überquerte, um seine Kraft mit den Revolutionären zu vereinen, in der Russischen Revolution, in der spanischen Revolution, sowie in verschiedenen nationalistischen Revolutionen und Revolutionen in der Dritten Welt. Die Tatsache, dass ein Teil der Jugend seine Ablehnung der Gesellschaft dadurch ausdrückt, indem er sich IS und der verstärkten religiösen Praxis zuwendet, zeugt weniger von der Anziehungskraft der Religionen als von der erschreckenden Leere, die von der revolutionären Arbeiterbewegung zurückgelassen worden war.

Die Anpassung der Gewerkschaften

Diese Leere wird nicht durch die Gewerkschaftsbewegung ausgefüllt werden. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs betonte Trotzki bereits die Tendenz der Gewerkschaften, sich in den Staatsapparat zu integrieren. Diese Tendenz hat nie aufgehört, stärker zu werden. Die Leitungen der Gewerkschaften haben sich in die bürgerliche Gesellschaft integriert, sie haben sich so den Kapitalisten angenähert und von den Arbeitern und ihren Kämpfen entfernt. Anstatt sich auf die Arbeiter, auf ihr Klassenbewusstsein, auf ihre Kampfkraft zu verlassen, sind die Leiter der Gewerkschaftsverbände zu Superanwälten geworden, damit beschäftigt, mit den Kapitalisten Abmachungen auszuhandeln, bei denen die Arbeiter immer den Kürzeren ziehen.

Zur Zeit als die CGT noch in den Händen der Stalinisten war, war sie die Verbindungsleitung der PCF und ordnete selbst die Kämpfe der Arbeiter ihren politischen Ziele unter. Die Gewerkschaftsapparate, allen voran die CGT, waren in den Nachkriegsjahren mächtige konterrevolutionäre Instrumente. Trotzdem gaben sie immer noch, in einer sehr verformten Art, Reflexe und einige Werte des Klassenkampfes weiter. Heute haben sie weder die Kraft noch den Willen, das zu tun.

In den Betrieben verzichten die Gewerkschaften sogar auf die Basisorganisierung der Arbeiter. Die engagiertesten Aktivisten rechtfertigen diesen Verzicht und die Integrationspolitik der Gewerkschaftsleitungen mit der Niedergeschlagenheit und der Demobilisierung der Arbeiter. Aber sie sind weitgehend für diese Demoralisierung verantwortlich. Auch wenn es keine explosiven Kämpfe gibt, verteidigen sich viele Arbeiter in den Betrieben. Das sind vielleicht nur kleinere Gefechte, aber das zeigt, dass der Klassenkampf nie aufhört und dass die Arbeiter versuchen zu reagieren.

Gegen die Individualisierungspolitik der Kapitalisten könnten und müssten wahrhafte Gewerkschaftsleitungen zum Ziel haben, die Arbeiterklasse zu vereinen. Und sei es nur durch die Verbreitung von Informationen, durch die Bekanntmachung der Reaktionen und Kämpfe, egal ob diese eine Niederlage erfahren oder siegreich sind. Würden sie die Arbeiter und Angestellten unabhängig von ihrem Wirtschaftsbereich zu gemeinsamen Aktionen aufrufen, würden sie den Privatsektor und den öffentlichen Bereich gemeinsam aufrufen, so würden sie die Kontakte der Aktivisten erleichtern, das Bewusstsein entwickeln, dass alle einer einzigen Klasse angehören.

Bei großen Kämpfen kommt das Klassenbewusstsein spontan auf, aber abseits dieser Perioden, und noch dazu in einem Kontext des Zurückweichens, ist es die Aufgabe der Arbeiterorganisationen, es zu erhalten. Es ist notwendig, zu zeigen, dass die Arbeiter einer lebendigen Klasse angehören, die nie aufhört zu kämpfen, notwendig, die Aktivisten dadurch zu stärken, dass man sich auf die kämpferischsten stützt. Die bewussten Arbeiteraktivisten müssen in diesem Sinne wirken, auch wenn die Mehrheit der Arbeiter nicht bereit ist, den Kampf aufzunehmen.

Sogar wenn sie die Kämpfe nicht sabotieren und bereits bevor diese beginnen, sind die Gewerkschaftsverbände gespalten und schwankend. Diese Unentschlossenheit drückt auf das Vertrauen der Arbeiter in ihre kollektive Kraft. Und dennoch wird jeder Gewerkschaftsaufruf gehört, was zeigt, dass es ein Milieu von Aktivisten gibt, die zumindest bereit sind, zu protestieren. Jede dieser Gelegenheiten muss ergriffen werden, um sich an dieses Milieu zu wenden, das darüber hinaus noch durch den Verfall der Linken und den Anstieg der Front National demoralisiert ist.

Die Verrate der PS und der PCF

Vergangene Erfahrungen haben gezeigt, dass die Sozialistische Partei an der Macht ein politisches Instrument für die Offensive der Bourgeoisie ist. Ein effizientes Instrument und in vielerlei Hinsicht, aufgrund ihres Ursprungs in der Arbeiterklasse, noch mehr unterworfen als die Rechte. Die PS hat es nämlich immer für notwendig befunden, der Bourgeoisie ihre Treue zu beweisen. Die aktuelle Regierung hat sich ebenfalls daran gehalten und sich die gröbsten Verleugnungen geleistet.

Während seiner Wahlkampagne hatte Hollande die Finanz als seinen Feind bezeichnet, nun beendet er seine Amtszeit mit einem von der Bank Rothschild kommenden, die individuelle Bereicherung preisenden Wirtschaftsminister an seiner Seite. Vom Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist Holland, der die Arbeitslosenunterstützung kürzen will, übergegangen zum Kampf gegen die Arbeitslosen. Nachdem er allen für ihre Stellen kämpfenden Arbeitern seine Unterstützung zugesichert hatte, hat er sich ausnahmslos auf die Seite der entlassenden Kapitalisten gestellt. Er hat dafür gesorgt, dass acht ehemalige Arbeiter von Goodyear zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Je wahrscheinlich es wird, dass die PS 2017 nicht mehr zur Macht zurückkehren wird, desto mehr strebt sie danach, den Kapitalisten einen letzten Dienst zu erweisen, indem sie das Arbeitsrecht zerschlägt. Mit der Neuauflage des Arbeitsrechts und der Reform der Arbeitsministerin schafft es die Regierung Hollande-Valls, Rückschläge durchzusetzen, die die Kapitalisten unter der Rechten nie durchbringen hatten können.

Diese Politik disqualifiziert die PS in der Form, unter der wir sie seit Jahrzehnten gekannt hatten: eine Partei, die, um an die Macht zu gelangen, mit der Wählerschaft der einfachen Bevölkerung und mit der Unterstützung der PCF rechnen konnte. Sich von der arbeitenden Bevölkerung wählen zu lassen und dann eine Politik zu machen, die ihren Interessen völlig entgegengesetzt ist, das stoßt bald an seine Grenzen. Nur dank der PCF ist es der PS gelungen, die Grenzen Jahrzehntelang hinauszuschieben.

Die PCF ist nicht nur Komplizin des Betrugs der PS gewesen, sie hat ihn überhaupt erst möglich gemacht: bereits 1936 durch die Volksfrontpolitik und in jüngerer Zeit mit ihrer Politik der Vereinigung der Linken, die offiziell 1972 durch Georges Marchais und dem gemeinsamen Regierungsprogramm angewandt wurde. Die PCF und ihr Einfluss in der Arbeiterklasse waren es, die die PS aus dem politischen Koma erweckt haben, in das sie infolge ihrer schmachvollen Regierungspolitik während des Algerienkriegs gefallen waren. Die PCF war es, die Mitterand, einen alten Hasen der Politik, der seine politische Lehrzeit im rechten Spektrum absolviert hatte, in einen Mann der Linken verwandelte. Dadurch, dass sie, mit dem Vorwand, die Rechte zu schlagen, systematisch dazu aufgerufen hat, für die PS zu stimmen, hat die PCF das politische Ansehen seiner Arbeiteraktivisten abgenützt.

Die heute geschwächte PCF hat immer weniger die Fähigkeit, für die PS auf Stimmenfang zu gehen. Dieser werden die Folgen ihrer arbeiterfeindlichen Politik teuer zu stehen kommen. Der einzige Ausweg, der ihr bleibt, ist der, auf eine andere Wählerschaft zu setzen und alle Konsequenzen zu ziehen. Das ist das Bestreben von Valls, der sich für die Aufgabe des Bezugs auf die sozialistischen Ideen einsetzt und sich in der politischen Nachfolge von Tony Blair in Großbritannien und Gerhard Schröder in Deutschland einordnet. Heute ist diese Umgestaltung sowohl notwendig als auch möglich geworden.

Die Attentate des Jahres 2015 und die durch sie hervorgerufene Emotion dienten als Katalysator für die allgemeine Entwicklung nach rechts. Diese neue Situation hat Holland nicht im Geringsten gestört, sondern lieferte ihm im Gegenteil die Gelegenheit zu einer Wende hin zu einer groben Sicherheitspolitik. Dadurch, dass Holland und Valls die Polemik über den Verlust der Staatsbürgerschaft provoziert haben, bekennen sie sich offen zu diesem Rechtsruck.

Um sich rechts zu positionieren, sind die führenden Politiker der PS bereit, eigene Persönlichkeiten zu opfern und von ihnen zu verlangen, ihre Listen zurückzuziehen und aufzurufen, für die Rechte zu stimmen, wie das bei den Regionalratswahlen geschehen ist. Sie sind bereit, die Verbreitung der schmutzigsten Ideen zu ermöglichen, egal ob das die Rassisten und die Rechtsextremen stärkt. Sie sind bereit, einige demokratische Freiheiten zu beschränken, mit deren Heiligenschein sich die Verteidiger der bürgerlichen Demokratie umgeben.

Die Aufnahme des Ausnahmezustands in die Verfassung, die Stärkung der Polizei und der Verwaltung, das sind alles in die persönlichen Freiheiten und demokratischen Rechte eingeschlagene Kerben. Das Demonstrationsrecht, so nutzlos es auch gegen den Terrorismus ist, hat zum Beispiel dazu gedient, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Zieht die sozialistische Regierung es auch vor, nicht selbst diese Ausnahmegesetze gegen kämpfende Arbeiter anzuwenden - was noch nicht gesagt ist - so gibt sie doch dem Staatsapparat, den Präfekten, der Polizei und den Geheimdiensten die Macht, es zu tun.

Die Rechtswende der Regierung verstimmt einen Teil des treuesten Wählerkerns der PS, jener, für den soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und die demokratischen Freiheiten mehr als nur leere Worte waren. Aber zugleich ermöglicht es diese Wende nicht, Wählerstimmen aus dem Zentrum und aus der Mitte zu gewinnen. Und wenn, wie es scheint, die Verfassungsabänderung in ein Fiasko ausartet, wird Hollande nur seinen Misskredit erhöht haben.

Nur ein Zufall, wie zum Beispiel zwei rechte Kandidaten, die sich im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen Konkurrenz machen, könnte es Holland oder einem anderen Kandidaten der PS ermöglichen, in den zweiten Durchgang zu kommen und eine Chance zu haben, gewählt zu werden. Wie auch immer die Wahlepisoden aussehen, die PS ist dabei, sich zu verändern, wie dies die steigende Beliebtheit von Macron und Valls in den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Milieus belegt. Die führenden Politiker der PS haben die Brücken zu dem, was in ihrem Erbe von der Arbeiterbewegung stammt, abgebrochen. Es gibt keinen Grund, das zu beklagen oder zu vermissen, im Grunde wird nämlich politische Klarheit geschaffen. Die Arbeiter brauchen sich nicht im Geringsten, auf welche Weise auch immer an diese Partei gebunden zu fühlen.

Aufstieg der FN und politische Manöver

Wir behandeln hier nicht noch einmal im Detail die Gründe für den zahlenmäßigen Anstieg der Stimmen für die Front National, wie er sich bei den Regionalratswahlen im Dezember 2015 gezeigt hat. Dieser Anstieg betrifft auch die Arbeiter, die Arbeitslosen und die Rentner der einfachen Bevölkerung. Wir haben darüber im Text gesprochen, der der Analyse der Ergebnisse dieser Wahlen und den durch sie hervorgerufenen großen politischen Manövern gewidmet war.

Die großen Linksparteien haben eine große Verantwortung in dieser Entwicklung, die einen Teil der Arbeiter dazu bringt, für eine rechtsradikale Partei zu stimmen. Der FN gelingt es, aus der steigenden Angewiedertheit der arbeitenden Wählerschaft gegenüber den traditionellen Parteien bei Wahlen zu profitieren, indem sie auf das Gefühl setzen, dass "man die noch nie ausprobiert hat". Es handelt sich um eine Illusion mit katastrophalen Folgen. Die FN ist wie die anderen Parteien der Bourgeoisie, nur noch schlimmer.

Sie bekämpft nicht diese Gesellschaftsordnung, in der die großen Kapitalisten und die Banken die ganze Macht haben und die Ausgebeuteten nichts haben. Sie flirtet mit den Wählern der arbeitenden Bevölkerung, um den Konkurrenzkampf mit den traditionellen Parteien um Posten und die dazugehörigen Gehälter zu gewinnen. Und sie macht es mit einer für die Arbeiter besonders schädlichen Demagogie, denn sie sät Misstrauen zwischen sie aufgrund der Herkunft und der Staatsangehörigkeit. Sie hetzt sie gegeneinander auf und lenkt sie dadurch von ihrem Kampf gegen den wirklichen Feind, das kapitalistische Großbürgertum. Die Stimme für die Front National mischt in ein und derselben Wählerschaft die Arbeiter und ihre schlimmsten Feinde: arbeiterfeindliche Bosse, Nostalgiker der Kolonialkriege, angehende Faschisten.

Aber der Versuch, den aus Arbeitern, Arbeitslosen und Armen bestehenden Anteil der Wählerschaft zu den Parteien der reformistischen Linken zurückzuführen, bedeutet, sie wieder mit denselben Illusionen einzuschläfern, das Schicksal der Arbeiter einem "höheren Retter" aus dem politischem Personal der Bourgeoisie anzuvertrauen, der sie unvermeidlich verkaufen wird.

Nur das Wiederentstehen einer Arbeiterbewegung, die wirklich den Klassenkampf führen will und die den Kampf für den Sturz der Macht der kapitalistischen Bourgeoisie führen will, kann den Arbeitern eine Perspektive eröffnen.

Rechts dreht sich alles um die für den Herbst angesetzten Vorwahlen. Der Einsatz ist umso größer als der Gewinner 2017 fast sicher Präsident der Republik wird. Die Anzahl der Konkurrenten von Sarkozy mehren sich von Tag zu Tag und Juppé liegt immer noch vorn. Der Kampf wird umso wilder geführt werden, als es ausschließlich um den Style und die Persönlichkeit der Kandidaten gehen wird, da alle dieselbe politische Linie haben. Mit der allgemeinen Rechtsentwicklung der Gesellschaft, mit dem Rechtsruck der PS, ist es müßig geworden, zu wissen, ob man eine härtere Sprache sprechen soll, um die Wählerschaft der FN anzuziehen: auf alle Fälle muss man nach rechts gehen. Wird der Rechten ihre Vorwahl gelingen oder wird sie ihren Ruf, die dümmste Rechte der Welt zu sein verdienen, indem sie sich spaltet? Die Zukunft wird es sagen.

Mit einer PS, die nach rechts gegangen ist, genügt es einige fortschrittliche Werte hochzuhalten, um eine linke Etikette aufgeklebt zu bekommen. Von Taubira bis zur Kommunistischen Partei, Mélenchon, Duflot, Hamon, Montebourg und warum nicht auch Hulot, viele sind bereit die linke Nachfolge anzutreten. Es wäre müßig, die Manöver zu beobachten und im Detail zu kommentieren. Kommt er aus einer Vorwahl, aus Parteienkoalitionen, aus der Zivilgesellschaft oder proklamiert er sich selbst, wie Mélenchon das gerade gemacht hat, einer - oder auch mehre - werden kandidieren, um die Illusion einer "wirklich linken Politik" zu erhalten.

Mélenchon hat eine Vorstellung darüber gegeben, wie gering er die PCF und ihre Aktivisten schätzt, als er seine Kandidatur gegen die Meinung der PCF und ohne sie auch nur zu benachrichtigen angekündigt hat. Dabei ist die PCF sein Hauptpartner in der Linksfront. Das beweist, dass Mélenchon denkt, dass die PCF gezwungen sein wird, sich an ihn anzuhängen. Und tatsächlich ist Mélenchon zurzeit der einzige herausragende Kandidat Links von der Linken. Denn sind alle, PCF, linke Kritiker in der PS, Grüne, einverstanden, dass man sich hinter einem Kandidaten vereinen muss, so sind sie weit davon entfernt ihn auch gefunden zu haben.

Wir werden an keinem dieser Versuche, die Linke wieder zum Leben zu erwecken, teilnehmen. Wir können zu bestimmten Anlässen an der Seite der einen oder der anderen sein, aber wir werden erklären, dass ein Nachdenken in Begriffen wie Links und Rechts nur neue Betrügereien nach sich ziehen wird, denn die wirklichen politischen Grenzen sind Klassengrenzen.

Für eine Gegenoffensive der Arbeitswelt

Hängt es auch nicht von uns ab, wie und wann der Wutausbruch provoziert wird, der die ganze Arbeiterklasse in Bewegung bringt, so können wir doch zur Wiederbewaffnung des Bewusstseins beitragen. Dafür müssen wir uns auch an die politischen Arbeiteraktivisten richten, egal ob sie direkt von der PCF kommen oder nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass wir ihren Reformismus und ihren Glauben in Wahlen erschüttern können. Aber mit all jenen, die versuchen zu verstehen, wie es möglich war, dass eine rechtsextreme Organisation sich als Freund der Arbeiter und der Armen ausgeben kann, müssen wir die Diskussion bis auf den Grund der Sache führen. Nicht um sie für unsere Organisation zu gewinnen, sondern um ihnen Lust zu machen, die Ideen und die Losungen des Klassenkampfs zu übernehmen.

Dazu ist es notwendig, über die Politik ihrer Führung zu diskutieren, ohne dabei ihre eigene Verantwortung als Aktivisten auszublenden, die Instrumente dieser Politik gewesen sind. Über die vergangene Politik ihrer Partei zu sprechen heißt über die Gegenwart zu sprechen, über die Politik, die sie heute verteidigen und die weiterhin auf das Misstrauen gegenüber der Arbeiterklasse basiert, das heißt auf Geringschätzung. Anstatt neue Illusionen über Politiker zu nähren, die das Vertrauen der Arbeiter nicht verdienen, müssen die Arbeiter dafür gewonnen werden, ihre eigenen Interessen zu verteidigen und sie müssen Vertrauen in ihre eigenen Kräfte gewinnen.

Die Arbeiter sind nicht die einzigen Opfer der Krise und des kapitalistischen Systems, das bezeugen die Bewegungen der Landwirte und der Taxifahrer. Sie zeigen, dass sie wütend und kämpferisch sein können, aber ihre Kämpfe führen in eine Sackgasse. Was die Taxifahrer anbelangt, so bringen sie Verschuldung und Konkurrenz dazu, die Uber-Fahrer zu bekämpfen, wo diese doch mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert sind, ihre Familien zu ernähren, und meistens dieselbe persönlich Geschichte, eine Abfolge von Entlassungen und Arbeitslosigkeit haben. Dass die Forderungen der einen nur auf Kosten der anderen befriedigt werden können, ist bezeichnend für die Sackgasse. Die Landwirte und die Taxifahrer weigern sich, Opfer der Gesetze des Dschungels zu werden, ohne aber den Dschungel abzuschaffen, in dem sie sich gerne einrichten würden. Ihr Kampf kann nur mit einer Niederlage enden.

Nur der Kampf der Arbeiter, der Ausgebeuteten, jener, die außer ihrer Ketten nichts zu verlieren haben, kann ein System stürzen, das ebenso ungerecht wie irrational ist. Erscheint die Arbeiterklasse auch niedergeschlagen und demoralisiert, so hat nur sie allein die kollektive Kraft, die Macht der Bourgeoisie zu stürzen und die politische Macht zu übernehmen, um die Gesellschaft zu verändern.

18. Februar 2016