Der Tod von Fidel Castro: was die kubanische Revolution war (aus Lutte Ouvrière - Arbeiterkampf - vom 30. November 2016)

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November 2016
Am 25. November starb Fidel Castro, der wichtigste Führer der kubanischen Revolution, zehn Jahre nachdem er seinem Bruder Raúl die Macht übergeben hatte. Während die kubanische Bevölkerung ihn gegenwärtig ehrt, sucht man in den Kanzleien der Großmächte, welche kleine Angestellte sie beim Begräbnis vertreten könnte. Diese werden sowohl ohne Obama als auch ohne Hollande, aber mit Staatschefs aus Lateinamerika und aus Afrika stattfinden. Sogar nach seinem Tod finden die imperialistischen Mächte es kompromittierend, einen Menschen zu ehren, der ihnen so lange die Stirn geboten hat.
Die kubanische Revolution stürzte am 1. Januar 1959 die Diktatur von Fulgencio Batista, einem Militär, der das Land seit 1933 beherrschte und sich 1952 erneut durch einen Putsch durchgesetzt hatte. Er hatte die Unterstützung der USA, denen es hauptsächlich darum ging, dass die nordamerikanischen Unternehmen die kubanische Wirtschaft, die Erdölraffinerien und die Zuckerindustrie der Insel beherrschen konnten.

Beim Staatsstreich von Batista war der Anwalt Castro, Sohn eines Bodenbesitzers, 26 Jahre alt. 1953 griff er mit einigen Gefährten eine Kaserne von Santiago, Moncada, an, in der Hoffnung, einen Aufstand von Unteroffizieren gegen Batista auszulösen. Verhaftet, verurteilt und inhaftiert verwandelte Castro seinen Prozess in eine Anklage gegen den Diktator, als er erklärte „Die Geschichte wird mich freisprechen“.

 

Eine durch einen Bauernaufstand unterstützte Guerilla
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ging Castro nach Mexiko, kehrte aber im November 1956 an Bord der Jacht Granma mit 82 Männern, darunter sein Bruder Raúl und Ernesto Che Guevara, zurück. Die meisten wurden von der Armee getötet, aber ungefähr 20 Überlebende gewannen die Sierra Maestra. Ihr Glück bestand darin, die Unterstützung eines Baueraufstandes zu finden, der in der Guerilla das Mittel sah, die Beschlagnahmung des Bodens durch amerikanischen Unternehmen zu beenden. Guevara wird später sagen: „Die Bodenreform war eine von den Bauern aufgestellte Forderung in unserer Revolution.“ Die Brutalität der Diktatur von Batista brachte der Guerilla viele Kämpfer.
Castro fand eine Stütze im gemäßigten Bürgertum der Städte, das vom Diktator genug hatte. Aber für Castro sollte der Berg (Sierra) die Ebene (die Stadt) beherrschen, denn, erklärte Guevara, „in diesen ländlichen Zonen beginnt die Strukturierung des zukünftigen Staatsapparates. Die Guerilla besitzt eine Organisation, eine neue Struktur, alle Besonderheiten einer kleinen Regierung.“ Die Fäulnis des Regimes von Batista brachte einen schnellen Erfolg, denn er war auch der Mann der Mafia. Havanna war das Bordell von Amerika mit Spielhöllen, Spielbanken und Nachtklubs. Batistas Sturz löste einen echten Jubel der arbeitenden Bevölkerung aus und hatte einen weltweiten Widerhall.

Eine Übergangsregierung wurde beauftragt, Wahlen vorzubereiten. Der Premierminister war ein proamerikanischer Geschäftsrechtsanwalt, andere Regierungsmitglieder waren rivalisierende Militärs von Batista und Antikommunisten, während Castros Bruder und Che Guevara mit keinem Ressort beauftragt wurden. Aber für die Bevölkerung war Castro der Handwerker des Sieges, der einzige mögliche Schiedsrichter zwischen heterogenen politischen Kräften, und der echte Führer. Die Anhänger Fidel Castros waren diejenigen, die das Ende des Despotismus und der Korruption, der Verbesserung des Loses der Volksmassen und eine echte politische Unabhängigkeit von den USA wollten.

 

Tauziehen mit den USA
Auf der Suche nach einvernehmlichen Beziehungen mit Washington reiste Castro im April 1959 in die USA, aber die amerikanischen Führer weigerten sich, mit ihm zu sprechen. Am 17. Mai brachte Castro eine mäßige Bodenreform in Gang, die mit der 1940 von Batista verkündeten identisch war. Sie betraf die brachliegenden Ländereien und die Eigentümer sollten allmählich entschädigt werden. Die USA forderten eine höhere sofort zu bezahlende Entschädigung. Castro gab nicht nach. Die kubanische Armee bemächtigte sich der Ländereien der amerikanischen Unternehmen.
Im April 1960 ließ Castro die amerikanischen Raffinerien auf Kuba, die sich weigerten, russisches Erdöl zu verarbeiten, beschlagnahmen. Dann beendete der amerikanische Senat ein Abkommen mit Kuba für den Kauf von Zucker. Castro verstaatlichte einen Teil der amerikanischen Güter der Insel und beschleunigte die Bodenreform.
Als sich Castro im Oktober 1960 immer noch nicht beugen wollte, beschloss die amerikanische Führung das Embargo über ihre Exporte. Die kubanische Regierung beschlagnahmte weitere Unternehmen. Daraufhin setzten sich Kapitalisten, leitende Angestellte, Mafiosi und ihr Milieu nach Miami in Florida ab. Diejenigen, die sich dieser Tage über den Tod Castros freuen, sind oft ihre Kinder oder ihr Enkel.
Die Verstaatlichungen, weit davon entfernt, Teil eines langsam herangereiften sozialistischen Projektes zu sein, waren die pragmatische Antwort einer Führung, die entschlossen ist, die kubanische nationale Herrschaft gegenüber eines unnachgiebigen amerikanischen Imperialismus zu schützen.
Am 3. Januar 1961 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen mit Kuba ab. Am 17. April versuchten sie, sich mit Gewalt durchzusetzen. Das war die Invasion der Bahia de Cochinos (Schweinebucht), ein Fiasko für die Gegner Fidel Castros und ihre amerikanischen Ratgeber, und eine Gelegenheit, die Unterstützung des neuen Regimes durch das Volk zu messen. Tatsächlich trat die Bevölkerung in Aktion, um die Insel gegen diese Eindringlinge zu schützen.
Am 3. Februar 1962 begann ein allgemeines Embargo gegen Kuba, das darauf abzielte, das castrische Regime schnell zum Aufgeben zu bringen, indem die Insel von der Lieferung von Lebensmitteln und von Medikamenten abgeschnitten wurde. Die castrische Führung suchte darauf die Unterstützung auf der Seite der UdSSR. Am 16. April 1961 verkündete Castro den sozialistischen Charakter der kubanischen Revolution. Damit eröffnete sich eine Periode von dreißig Jahren Wirtschaftshilfe durch die UdSSR, die ein relatives Gedeihen bis Anfang der 90er Jahre gewährleistete. Aber die kubanische Führung richtete sich ab nun bei ihren Stellungnahmen nach Moskau.
Es war also gerade die Verbissenheit der USA gegen die kubanische Revolution, die die castrische Führung schließlich in die Arme der UdSSR getrieben hat. Die größte Angst der USA war eigentlich, dass der Erfolg der kubanischen Revolution andere, in ganz Lateinamerika ermutigen könnte. Und tatsächlich weckte sie den Enthusiasmus einer ganzen Generation im Kampf gegen die Diktaturen unter der Vormundschaft von Washington und entschlossen, der wirtschaftlichen Plünderung durch die imperialistische Macht aus dem Norden auf Kosten der Bauern und Arbeiter ein Ende zu setzen.
Die Sackgasse des Nationalismus
1967 starb Che Guevara in der Guerillabewegung in Bolivien. Che, der auf seiner Weise die Revolution hatte ausbreiten wollen, scheiterte, während es Castro gelang, den kubanischen Staat zu schützen. Die kubanische Führung war von jetzt an isoliert und abhängig vom Druck und von der Hilfe aus dem Ausland.
Diese nationale Grenze der kubanischen Revolution war auch tatsächlich die politische Grenze der kubanischen Führung. Wenn sich diese auch immer bewusst gewesen ist, dass sie die Unterstützung ihrer Bevölkerung bewahren musste, um sich dem nordamerikanischen Einfluss zu widersetzen, waren sie keineswegs proletarische Revolutionäre, die sich an die Spitze des Kampfes hätten stellen wollen, um das System der imperialistischen Herrschaft zu stürzen.
Die Regierung des derart isolierten kubanischen Staates hielt sich ohne jegliches demokratisches Funktionieren durch die Gewährleistung eines starken sozialen Schutzes, besonders was die Gesundheit und die Erziehung betrifft. Diese Errungenschaften sind in Lateinamerika und auch anderswo so selten, dass es dem aus der Revolution von 1959 hervorgegangenen Regime als Markenzeichen dienen konnte. Aber in Zukunft wenden sie keinesfalls den Druck der imperialistischen Welt ab, und Kuba läuft durchaus Gefahr, dass eines Tages der ganze Plunder aus der Zeit Batistas wieder Einzug hält.
Ob die Geschichte Castro freisprechen wird, ist schwer zu sagen. Aber es ist bemerkenswert, dass er sich gegenüber dem Druck des Imperialismus mit der Unterstützung seines Volkes behaupten konnte. Das wird für immer von der Kraft zeugen, die eine Revolution geben kann, und darin liegt der Grund für den Hass, den auch fast sechzig Jahre danach die herrschenden Klassen für sie hegen.
30. November 2016