Vor 40 Jahren, im März 1921, erlebte Deutschland die letzten großen revolutionären Kämpfe nach dem Weltkrieg.
Seit 1918 war es in einem durch den Krieg stark verarmten Land nicht das erste Mal, dass der Klassenkampf eine aufständische Form annahm. November 1918, Januar 1919, März 1919, März 1920 – all diese Daten markieren allein in der Berliner Region Zeiten des Bürgerkriegs.
Die Aktion vom März 1921 stand im Mittelpunkt der Beratungen des dritten Kongresses der Kommunistischen Internationale im Juni 1921. Dieser kam zu dem Schluss, dass die Reaktion der deutschen Revolutionäre durch die Provokationen der Bourgeoisie notwendig geworden war, verurteilte jedoch die abenteuerliche Art und Weise, in der sie durchgeführt worden war.
Die Märzaktion markierte das Ende einer Periode, nämlich der revolutionären Umwälzungen, die unmittelbar dem Kriegsende folgten. Die relative Stabilisierung der Bourgeoisie und der Rückgang der Massenbewegung zeigten den Kommunisten, dass ihr unmittelbares Ziel nicht mehr die Eroberung der Macht, sondern die Eroberung der Massen war.
Diese Veränderung der internationalen Lage bedeutete aber letztlich auch das Ende der russischen Revolution. Mehr noch als die Krise vom Oktober 1923, die von der KPD vor allem wegen der beginnenden Entartung nicht genutzt wurde, war die Märzaktion die letzte Chance für die UdSSR. Ihr Scheitern ebnete den Weg für die Bürokratie. Als die Bolschewiki nach 1917 auf die Revolution im Westen warteten, setzten sie zunächst auf Deutschland.
All dies wussten die deutschen Revolutionäre, sie waren sich der Verantwortung bewusst, die auf ihnen lastete, und als sie im März 1921 versuchten, einen Abwehrkampf in eine revolutionäre Offensive zur Eroberung der Macht zu verwandeln, taten sie dies in voller Kenntnis dieser Tatsachen.
Im Gegensatz zu vielen nationalen Sektionen der Komintern, wie den französischen oder italienischen Parteien, war die Kommunistische Partei Deutschlands nicht aus dem Beitritt der ehemaligen Parteien der Zweiten Internationale zur Kommunistischen Internationale hervorgegangen, die von ihren chauvinistischsten und opportunistischsten Elementen befreit worden waren, aber dennoch stark von ihren Ursprüngen geprägt blieben.
Vor dem Krieg war die deutsche Sozialdemokratie bei weitem die „reichste“ Partei; sie leitete Volkshäuser und Gewerkschaften, und was sie mehr als alles andere fürchtete, war die Illegalität. Um dieser Gefahr zu entgehen, waren alle Verrätereien, einschließlich der vollständigen Übernahme der Positionen ihres nationalen Imperialismus im Jahr 1914, rechtfertig. Diese Partei, die bürokratisierteste der Zweiten Internationale, befand sich am Ende des Krieges in einer heftigen Krise. Sie musste hier ihr konterrevolutionäres Wesen voll zur Geltung bringen, indem sie sich zum besten Hüter der bürgerlichen Ordnung machte. Es ist klar, dass innerhalb einer solchen Partei der Kampf der dem Internationalismus treu gebliebenen Aktivisten nicht einfach sein konnte, da die „Burgfrieden-Sozialisten” nicht zögerten, ihre Gegner mobilisieren und sogar inhaftieren zu lassen.
Die deutschen Revolutionäre des Spartakusbundes, die sich innerhalb der Sozialdemokratie zu einer Fraktion zusammengeschlossen hatten, bildeten schnell eine autonome Organisation. Die Kommunistische Partei Deutschlands wurde jedoch erst Ende Dezember 1918 als solche gegründet, und kaum eine Woche nach ihrer Gründung musste sie bereits die Prüfung des Aufstands bestehen.
Die besonders harte Unterdrückung wurde im Namen der sozialdemokratischen Regierung von Noske geleitet, der sich selbst als „blutiger Hund” bezeichnete. Innerhalb weniger Tage verlor die Partei ihre besten Kader, Luxemburg, Liebknecht und viele andere, die auf Befehl ihrer ehemaligen „Parteigenossen” ermordet wurden.
Die Lage war in den ersten Jahren nach dem Krieg so, dass die Bourgeoisie gezwungen war, die Wahrung ihrer Interessen in die Hände der Sozialdemokraten zu legen, die diese übrigens hervorragend verteidigten! Alle revolutionären Versuche wurden von den „sozialistischen” Regierungen in enger Zusammenarbeit mit der kaiserlichen Armee niedergeschlagen.
Einige Monate vor März 1921 hatte sich Mitgliederzahl der KPD, dank des Beitritt des linken Flügels der SPD – der zentristischen Partei der „Unabhängigen” (USPD) – zur Kommunistischen Internationale erheblich erhöht.
Die Neueintritte unterschieden sich von den alten Spartakisten nur durch eine geringere politische Bildung und Kultur, aber der Weg, der sie zur Revolution geführt hatte, war von denselben gnadenlosen Kämpfen gegen den reformistischen Apparat geprägt, und in ihren Herzen lebte derselbe Hass auf die Sozialdemokratie.
Die alten Spartakisten-Kader waren in den ununterbrochenen Kämpfen von 1918 bis 1920 dezimiert worden, und die Führung der Partei lag in den Händen junger, unerfahrener Aktivisten, von denen viele unter 30 Jahre alt waren.
Diese Menschen hatten als Führer nur Erfahrung mit einer einzigen Art von Situationen, nämlich dem Aufstand der Massen und Aufstandsperioden. Der vor März begonnene Rückgang ließ sie ratlos zurück, und sie reagierten auf diese neue Situation nur so, wie sie es in der gerade zu Ende gegangenen Periode getan hatten.
Die Bourgeoisie weiß sehr wohl, wie wichtig es für die Arbeiterbewegung ist, eine Führung zu haben, die Erfahrung mit unterschiedlichen Situationen hat. Sie geht nicht nur aus Grausamkeit vor, wie es 1919 der Fall war, als sie eine ganze Generation systematisch auslöschte. Es ist ein Schlag, von dem sich die revolutionäre Bewegung manchmal erst nach Jahrzehnten erholt.
Man kann nicht verstehen, was die damalige Kommunistische Partei Deutschlands war, wenn man die heutigen KP betrachtet. Sie haben nichts gemeinsam.
Die deutschen Revolutionäre waren Menschen, die in einem gnadenlosen Kampf geschult waren und die bürgerliche Ordnung und ihre Diener hassten, auch und vor allem, wenn diese sich mit dem „sozialistischen” Etikett schmückten. Fernab von parlamentarischen Machenschaften und Hinterzimmermanövern kämpften sie heldenhaft für den Aufbau einer neuen Gesellschaft.
Der Aufstandsstreik im März 1921 sollte ihr letzter großer Kampf sein. Auf die linksradikale Aktion folgte nach und nach die linksradikale Rhetorik, die nur noch die stalinistische Entartung und die Aufgabe der Revolution verschleierte. Diese Umwandlung vollzog sich umso leichter, je niedriger das theoretische Niveau der Partei war.
Aber im März 1921 ging es nicht darum. Was die Fehler der KPD verursachte, waren nicht feige Kompromisse, sondern ihr glühender revolutionärer Wille.
Diese Fehler wurden seinerzeit kritisiert, nützliche Lehren wurden daraus gezogen, aber heute können wir uns vor allem an das Beispiel erinnern, das uns die März-Kämpfer durch ihre Hingabe an das sozialistische Ideal und ihren revolutionären Eifer gegeben haben. Leider sind diese Eigenschaften nicht sehr verbreitet, und doch sind es genau sie, ohne die alle Theorien der Welt nichts ausrichten können.
Adresse für Max Hoelz
Max Hoelz war einer der Führer der Kommunistischen Arbeiterpartei – linksradikal. Diese Adresse wurde vom dritten Kongress der Kommunistischen Internationale angenommen. Sie zeigt deutlich, wie die Komintern in ihren ideologischen Gegnern Kampfgenossen zu erkennen wusste.
Heute, wo jeder Oppositionelle ein Hitler-Trotzkist im Sold der Polizeipräsidium ist, kann man diesen Text, der den Kommunisten von 1921 als grundlegende Pflicht erschien, nicht ohne Emotion lesen.
An das deutsche Proletariat!
Zu den zweitausend Jahren Zuchthaus und Gefängnisstrafen, die die deutsche Bourgeoisie über die Märzkämpfer verhängt hat, gesellt sich das Urteil zu lebenslänglichem Zuchthaus gegen Max Hoelz.
Die Kommunistische Internationale ist Gegnerin des individuellen Terrors und von Sabotageakten, die nicht direkten Kampfzwecken im Bürgerkriege dienen. Sie ist Gegnerin eines von der politischen Leitung des revolutionären Proletariats unabhängig geführten Freischärlerkrieges. Aber die Kommunistische Internationale sieht in Max Hoelz einen mutigen Rebellen gegen die kapitalistische Gesellschaft, deren Zucht sich in Zuchthäusern, deren Ordnung sich in dem Wüten der Ordnungsbestie ausdrückt. Seine Taten waren nicht zweckentsprechend. Der weiße Terror kann nur durch den Aufstand der Arbeitermasse gebrochen werden, der allein imstande ist, den Sieg des Proletariats zu verwirklichen. Aber seine Taten entströmten der Liebe zum Proletariat, dem Hass gegen die Bourgeoisie. Darum sendet der Kongress Max Hoelz brüderliche Grüße, empfiehlt ihn dem Schutz des deutschen Proletariats und spricht die Hoffnung aus, daß am Tage, wo die deutschen Proletarier die Tore zu seinem Gefängnis sprengen werden, er in Reih’ und Glied der Kommunistischen Partei Deutschlands für die Sache der Befreiung der deutschen Arbeiter kämpfen wird.